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GN, 26.05.2010

„Vier gewinnt“ auch den Bundespreis

Erfolg bei „Jugend musiziert“

Gestern Mittag wurde die Entscheidung der Jury für den Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ bekannt: Das Gesangsquartett „Vier gewinnt“ von der Musikschule Niedergrafschaft hat sich auf den ersten Platz gesungen. Ein Bundespreis geht in die Niedergrafschaft.

 

 

Lübeck/Uelsen. Den größten Teil ihrer Freizeit verbringen die angehenden Abiturienten Gerald Gerink, Tobias Klomp, Moritz Temme und Daniel Titz gemeinsam in der Musikschule Niedergrafschaft. Der Gesang ist ihre Leidenschaft. Am Wochenende sind die Mühen unzähliger Proben von einem außergewöhnlichen Erfolg gekrönt worden: Das Gesangsquartett „Vier gewinnt“ hat sich in seiner Altersklasse beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ an die Spitze gesetzt und den Bundespreis abgeräumt. Lisa Janitschke begleitete das Quartett am Klavier. Groß war gestern die Freude bei allen Beteiligten.
Am Pfingstsonnabend waren die Musiker mit Familien und Freunden zum Bundesentscheid nach Lübeck gefahren. Ihre musikalische Leiterin Armanda ten Brink deren Terminkalender derzeit bis oben voll ist, bestieg gemeinsam mit Musikschulleiter Heinz Josef Bausen ein Flugzeug, um Gerald Gerink, Tobias Klomp, Moritz Temme, Daniel Titz und Lisa Janitschke beim Wettbewerb zu unterstützen.
Gehofft haben alle auf den Sieg, gezittert haben einige dennoch bis zur gestrigen Veröffentlichung der Ergebnisse. Das Quartett „Vier gewinnt“ hat seine Karriere bereits in den jeweiligen Grundschulchören gestartet. Musikschullehrerin Armanda ten Brink war es, die die vier sangesfreudigen Jungen in den Knabenchor des Städtischen Chors Neuenhaus holte. Später folgte die Beteiligung an der achtköpfigen Gruppe „Nice Guys“.
Seit der Bekanntgabe der Ausschreibungen für den Wettbewerb „Jugend musiziert 2010“ singen die vier jungen Männer als Quartett, begleitet von der Pianistin Lisa Janitschke. Bereits bei der niedersächsischen Landesausscheidung in Osnabrück hatten die fünf Musiker die Jury begeistert. Mit dem Landessieg lösten sie die Fahrkarte für den Bundesentscheid über Pfingsten in Lübeck, wo „Vier gewinnt“ und Lisa Janitschke offenbar mit ihrem Repertoire und mit ihrer Bühnenpräsenz erneut voll überzeugten.
Den Wettbewerb „Jugend musiziert“ gibt es seit fast 50 Jahren. Ein Bundespreis kann die Einladung zu weiteren Wettbewerben oder auch ein Stipendium bedeuten (einen ausführlichen Bericht vom Bundesentscheid lesen Sie in der morgigen Ausgabe der GN).

GN, 27.05.2010

Mit Flugzeug den Sängern nachgeeilt

Armanda ten Brink glücklich über den Lohn eines anstrengenden Sonnabends

Von Manfred Münchow
Neuenhaus. Musikschullehrerin Armanda ten Brink kann schon wieder befreit lachen, wenn sie an den Pfingstsonnabend denkt, denn der hatte es in sich. An diesem Tag fahren vier singende Jungs aus Neuenhaus und Veldhausen sowie die Pianistin Lisa Janitschke aus Emlichheim zum Bundesentscheid von „Jugend musiziert“ in die Hansestadt Lübeck. Die Formation „4 gewinnt“ macht ihrem Namen alle Ehre und gewinnt nach stundenlanger Busfahrt tatsächlich den Bundesentscheid (die GN berichteten).
Am Erfolg von „4 gewinnt“ hat Armanda ten Brink einen gehörigen Anteil. Die zierliche Niederländerin hat die Formation aufgebaut und zum Erfolg geführt. Doch sie rührt in vielen musikalischen Töpfen zugleich. Am Tag des Bundesentscheids stehen für sie am Morgen zunächst in Enschede Proben zum Stück „Titanic“ auf dem Programm. Da scheidet eine Busfahrt nach Lübeck von vornherein aus.
Kurzerhand chartern die Verantwortlichen der Musikschule Niedergrafschaft ein Flugzeug, das Mittags in Klausheide von der Startbahn abhebt. Mit an Bord der viersitzigen „Piper“ auch Musikschulleiter Heinz Josef Bausen und der Fördervereinsvorsitzende Friedrich Schiller.
Um kurz vor 15 Uhr ist Armanda ten Brink bei ihren Sängern und der Pianistin in der Hansestadt. Bis zum Auftritt um 17 Uhr bleibt wenig Zeit für die Vorbereitung. Die Lieder werden eingesungen und die letzten Feinheiten des Auftritts besprochen. „Das war psychologisch ganz wichtig“, ist sich Bausen sicher.
Der mit Spannung erwartete Auftritt von „4 gewinnt“ geht tadellos über die Bühne. Gesungen werden die Stücke „Lil’ Liza Jane“, „Gott behüte Dich“, „Wochenend und Sonnenschein“, „Seigneur, je vous en prie“ und „Dolchquartett“. Musikschulleiter Bausen bescheinigt am Ende den jungen Musikern mit Stolz in der Stimme: „Das war einwandfrei.“ Und Jurymitglied Professor Franz Müller-Häuser aus Köln sagt spontan: „Das hat uns sehr gut gefallen, was wir da von Ihnen gehört und gesehen haben.“ Doch bis zur Bekanntgabe der Preisträger am Pfingstmontag bleibt es spannend.
Armanda ten Brink weiß, dass es bei so einem wichtigen Wettbewerb nicht nur um das reine Singen geht. „Das ganze Paket muss stimmen“, sagt die Musikpädagogin. Die vier Einzelstimmen müssten sich in das Gesangsquartett einbringen und zusammen eine Harmonie bilden. Es reiche nicht, die einzelnen Stücke nur „abzusingen“. Wichtig sei eine eigene Interpretation der Geschichte, die man musikalisch erzählen will. Dazu komme auch die stimmige Präsentation. Ein besonderes Lob zollt die Jury denn auch der Harmonie der Gruppe untereinander.
Für die Musikschule Niedergrafschaft ist der Sieg beim Bundesentscheid von „Jugend musiziert“ eine der höchsten Auszeichnungen für ihre Schüler. Vor etlichen Jahren hat der Schlagzeuger Thorsten Hanitz die gleiche Stufe erklommen. Für Musikschulleiter Heinz Josef Bausen ist der Erfolg seiner Schüler denn auch ein Argument, wenn es um Zuschüsse aus öffentlichen Kassen geht. Dennoch ist er sich sicher: „Vor Ort wissen die Politiker schon, was wir leisten für die Region.“ Dazu gehören auch grenzüberschreitende Aktivitäten in der musikalischen Ausbildung und anspruchsvolle Veranstaltungen des Niedergrafschafter Kultursommers. Bei allen Höhepunkten bemüht sich die Musikschule aber um Kulturarbeit für eine möglichst breite Schicht.
Musikpädagogin Armanda ten Brink kann sich nach dem siegreichen Auftritt von „4 gewinnt“ nicht lange in Lübeck aufhalten. Mit dem Flugzeug geht es schnell zurück nach Klausheide. Dort wartet bereits der Hubschrauber, der sie geschwind zu ihrem Auftritt als Nonne nach Ettens an den Niederrhein bringt. Im Stück dreht sich bis um kurz vor Mitternacht alles um den Vatikan. Erst danach wird gefeiert.